
Rund fünfzig Meter Luftlinie entfernt stapeln sich auf dem Nordkai des Riesaer Binnenhafens die Container übereinander und sind an diesem Dienstag beliebtes Fotomotiv. Vor allem ist die voll belegte Fläche jedoch ein Symbol. Der Hafen stößt an die Grenzen seiner Kapazität. Die Zeit ist reif, den Bereich auf der Südseite zwischen Hafen- und Schlossbrücke auszubauen.
„Hier befindet sich der Alte Hafen, vor 123 Jahren wurde er errichtet“, erklärt Kapitän Detlef Bütow den Gästen beim ersten Rammschlag für die neue Kaimauer. Der Geschäftsführer der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH (SBO) ordnet die Investition in den Aufwärtstrend des Hafens seit dem Tiefpunkt Anfang der 1990er Jahre ein. Damals war der Frachtumschlag von 1,5 Mio. Tonnen zum Ende der DDR auf 150.000 t jährlich eingebrochen. „Jetzt schlagen wir wieder mehr als eine Million Tonnen um“, so Bütow.
Einen Durchbruch stellt das Jahr 2005 dar. Mit der TFG Transracht betreibt der Hafen seitdem ein trimodales Containerzentrum, dass die Transportwege Wasser, Schiene und Straße verbindet. Die Albatros-Linie ist die direkte Bahnverbindung von Riesa zur Nordsee. Mit 41.000 TEU (ein Umrechnungswert für den Standardcontainer) ist der jetzt dafür genutzte Hafenbereich ausgelastet. „Wir freuen uns, dass die SBO mit dem Bau die Voraussetzung zur Erweiterung des bestehenden Containerterminals schafft“, freut sich TFG-Geschäftsführer Gerhard Oswald. Staatssekretär Roland Werner vom sächsischen Wirtschaftsministerium würdigte die Maßnahmen im Elbehafen als Teil zahlreicher Verkehrsbauten des Freistaats, die noch vor Auslaufen der Solidarpaktmittel 2020 umgesetzt werden sollen.
Die Kaimauer steht schon besagte 123 Jahre. Ihr wird nun eine stählerne Spundwand aus 540 jeweils ein Meter breiten Bohlen vorgesetzt. Jede ist 16,90 Meter lang, wovon 7,80 m im Hafengrund verschwinden. Etwa 4,8 Millionen Euro kostet die Investition, die in 14 Monaten durch eine Wasserbaufirma aus Wesel vollbracht sein soll.
Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer sieht den Baustart im Zusammenhang mit der gesamten positiven Entwicklung: „In Gröba geht es Schlag auf Schlag. Die Unternehmen investieren, die Stadt verbessert die Infrastruktur. Dieser Schritt des Hafens ist wohl überlegt und wichtig für die ganze Region.“