
Leicht bekleidete Tänzerinnen werden nicht auftreten, versichert Jan Giehrisch. Immerhin könnte man bei der an die Scheunenwand montierten roten Windmühle auf solche Vermutungen kommen. Schließlich heißt das Motto des 3. Kunst- und Handwerkermarktes zu Pfingsten „Vive la France“ - da ist die Assoziation zum Pariser „Moulin Rouge“ schnell hergestellt.
Gemeinsam mit dem Kulturwerk ART und vielen Mitstreitern hat Jan Giehrisch im WohnKulturGut Gostewitz wieder eine außergewöhnliche Mischung zusammengestellt. In Hof und Stall, Garten und Scheune können die Besucher am Sonntag und Montag in das Erlebnis Kunst eintauchen: Mit Grafik, Fotografie, Schnitzerei und Glasgravur, mit Musik, Figurentheater und Kinderzirkus.
Gravierende Änderung zum Vorjahr: Hurra, die Scheune ist zugänglich. Das neu gedeckte Dach trägt eine Photovoltaikanlage, unterm beeindruckenden Gebälk öffnet sich der Raum in seiner Weite, bietet nun Platz für Bühne und Publikum. „So kommen sich Musiker und Schauspieler nicht mehr mit dem Markt ins Gehege“, freut sich Giehrisch.
Jeweils zehn Uhr geht's los, am Sonntag bis tief in die Nacht – meist französisch mit Musette, Chanson und Parodie auf der Bühne, mit Boulespiel im Hof sowie „Baguette und ausschließlich französischen Weinen an den Ständen“, verrät Jan Giehrisch. Verwandtschaftliche Beziehungen führten ihn nach Grasse, spätestens seit Patrick Süskinds Bestseller als Parfüm-Hauptstadt bekannt. „Der Kontrast des zarten Parfüms, gefangen in Stahlfässern hat mich gereizt“, sagt Giehrisch.
Die Installation sowie Gunther Heils Sammlung von Flakons bringen das feine Grasse mit den robusten Industriestädten Riesa und Villerupt zusammen, denn auch Riesas Partnerkommune ist künstlerisch vertreten. Rainer Thielemann ist als Barbier zugange – und gut informierte Kreise wollen wissen, dass es Jan Giehrisch an den Bart gehen könnte.
Die rote Mühle wird sich wirklich drehen. Das Rad ist auf die Welle des Elevators gesteckt, mit dem früher das Stroh hoch transportiert wurde. Die faszinierende Konstruktion ist zwar nur noch Fragment, das Erlebnis Gostewitz gewinnt durch die Scheune aber nochmals erheblich an Reiz.